






Rennen mit Konsequenzen
Das traditionsreichste Langstreckenrennen der Welt, die 24 Stunden von Le Mans, umfasst alle denkbaren Episoden des Rennsports. Neben bahnbrechenden Erfolgen prägten auch tiefe Tragödien die französische Rennstrecke. Ein Ereignis vereinte beides: die 24 Stunden von Le Mans 1969. Während des Trainings, das Monate vor dem Rennen stattfand, verunglückte Lucien Bianchi, der Sieger des Vorjahres, tödlich mit seinem Alfa Romeo T33. Der Wagen prallte gegen einen Telefonmast und fing Feuer. Ein Jahr zuvor hatte sein Landsmann Willy Mairesse einen Unfall erlitten, der seine Karriere beendete – ein Ereignis, das mit dem Rennbetreib in Le Mans verbunden ist. Beim Startsignal rannten die Fahrer von der gegenüberliegenden Seite der Start-Ziel-Linie zu ihren Fahrzeugen, sprangen hinein und fuhren sofort los, um Zeitverluste zu minimieren. Dadurch wurden Sicherheitsaspekte vernachlässigt. Mairesse soll seine Tür nicht richtig geschlossen haben, die sich schliesslich bei hoher Geschwindigkeit öffnete und zu seinem Schicksal führte.
Die richtige Entscheidung
Jacky Ickx, ebenfalls Belgier, protestierte gegen das übliche Vorgehen. Als die Flagge zum Startsignal geschwenkt wurde, ging er zu seinem Ford GT40, schnallte sich ordnungsgemäss an und fand sich so am Ende des Feldes. Keine Runde war vergangen, und erneut ereignete sich eine Tragödie in der dunkelsten Zeit des Motorsports. Der unerfahrene Brite John Woofle, der sein Team überredet hatte, den Start zu übernehmen und dann sein Auto zu übergeben, verlor in der ersten Runde in der schnellen Maison-Blanche-Kurve die Kontrolle. Sein Porsche 917 überschlug sich und fing Feuer, während Woofle mit gelösten Sicherheitsgurten aus dem Wagen geschleudert wurde und noch vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus verstarb. Der Treibstofftank des Wracks wurde von Chris Amon getroffen, dessen Tank ebenfalls Feuer fing. Er konnte jedoch den Bordfeuerlöscher erfolgreich einsetzen und blieb unverletzt. Der Unfall blockierte die Strecke, sodass alle anderen Prototypen sich ihren Weg durch die Trümmer bahnen mussten.
Resultat
Während das Rennen ohne Unterbrechung fortgesetzt wurde, fuhren Ickx und sein Teamkollege Jackie Oliver, der später den FORMEL-1-Konstrukteur Arrows mitbegründete, auf die Podiumsplätze vor. Hans Herrmann und Gérard Larrousse hatten einen komfortablen Vorsprung von mehr als fünf Runden auf den Zweitplatzierten. Doch technische Probleme plagten sie, und eine Stunde vor der Zielflagge übernahm der Ford die Führung. Ickx und Hermann kämpften um den Sieg und lieferten sich einen denkwürdigen Kampf. Ständig überholten sie sich, bis die Entscheidung auf der Zielgeraden fiel. Ickx liess seinen Rivalen clever am Anfang der Mulsanne-Geraden passieren, blieb in dessen Windschatten und überholte ihn vor der folgenden Kurve wieder. Der Fahrer, der sich für die Sicherheit im Motorsport einsetzte, gewann sein erstes von sechs Rennen auf dem Circuit de la Sarthe. Ihm wurde schliesslich Gehör geschenkt, denn seit 1970 sitzen alle Fahrer vor dem Start der 24 Stunden von Le Mans fest in ihren Fahrzeugen.


